November 21, 2021

Weitere*n Kollektivista für die Lawine Landwirtschaft gesucht

Wir sind das Bäuerinnenkollektiv Lawine auf dem Gutshof Neuendorf im Sande, etwa eine Stunde östlich von Berlin. Seit etwa zwei Jahren bauen wir hier die Landwirtschaft wieder auf und bewirtschaften die umliegenden 16ha Ackerland in Form einer Solidarischen Landwirtschaft. Momentan bauen wir auf ca. 1-2ha ganzjährig Gemüse für unsere 70 Solawi-Mitglieder aus der Region an, beschäftigen uns mit dem langfristigen Aufbau von naturnahen Weideflächen für unsere zwei Arbeitspferde und eine wachsende Milchziegenherde. Zudem entstehen gerade auf dem gesamten Gutshofgelände Naturschutzflächen in Form von Blühflächen, Baum- und Heckenpflanzungen.

Wir arbeiten als Kollektiv. Momentan sind wir in der Lawine 6 Frauen mit unterschiedlichsten Erfahrungshintergründen und Lernwegen aus den Bereichen Gemüsebau, Tierhaltung, Käseherstellung, Agroforst und Handwerk. Manche von uns haben die staatliche Ausbildung gemacht, manche bringen sich alles selbst bei, manche haben Ökolandbau studiert, manche die Freie Ausbildung hinter sich. Entscheidungen treffen wir gemeinsam, Verantwortungen werden möglichst auf alle verteilt, wobei es durchaus Schwerpunkte in den verschiedenen Arbeitsbereichen gibt. Wir üben uns darin, hierarchische und patriarchale Strukturen in unserem Arbeits- und Lebensalltag zu erkennen und zu reflektieren. Dabei möchten wir wohlwollend miteinander umgehen und gemeinsam voneinander lernen.

Die Lawine ist Teil des größeren Gemeinschaftsprojekts Zusane (Zusammen in Neuendorf S.A.N.D.E. e.V.) auf dem Gutshof Neuendorf im Sande. Die Projektgruppe Zusane hat den Gutshof vor drei Jahren übernommen und ist inzwischen eine Gruppe von 25 Erwachsenen und einigen Kindern, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den Gutshof mit neuem Leben zu füllen, Wohnungen zu renovieren und Räume für handwerkliche, landwirtschaftliche, künstlerische und soziale Projekte zu schaffen. Der Gutshof hat zudem eine bewegte jüdische Geschichte, die aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Auf dem Gelände leben außer uns noch etwa 30 Mieter*innen, die den Gutshof schon sehr lange als ihr Zuhause verstehen.
Wir als Lawine sind Teil dieses Projekts und sehen uns nicht nur verantwortlich in der Landwirtschaft, sondern auch in der gesamten Entwicklung dieses Ortes und der Zusane-Gruppe mit all seinen schönen und unbequemen Seiten.

Wir suchen nun in der Lawine für das kommende Jahr eine*n weitere*n Kollektivista für die Landwirtschaft!
Es gibt momentan mehrere Arbeitsbereiche, in denen es mehr verantwortliche Menschen braucht, jedoch ist uns auch klar, dass eine Person nicht alle Interessen und Fähigkeiten mitbringen kann oder soll. Falls du dich in einem oder mehreren dieser Bereiche wiederfinden kannst und dir ein Arbeits- und Lebensalltag im Kontext unseres Kollektivs und im Zusane-Projekt vorstellen kannst - schreib uns!

Um welche Arbeitsbereiche geht es?

Ziegen
Dieses Frühjahr haben wir mit dem Aufbau einer Ziegenherde begonnen. Momentan leben 6 Milchziegen und 3 Ziegenkitze bei uns, für die wir schon einen kleinen Stall und eine provisorische Käseküche gebaut haben. Die langfristige Idee dieses Projektes ist eine 40 köpfige Milchziegenherde und eine Käseproduktion für die schon bestehende Solawi und die Region aufzubauen.
Neben der Versorgung und dem Melken der Tiere, der Käseproduktion und der Pflege der Weideflächen, steht also langfristig eine Entwicklung an, die eventuell einen größeren Stallbau, eine professionellere Käserei und das Aufbauen von verschiedenen Vermarktungswegen mit einschließt. Bisher kümmert sich darum hauptverantwortlich nur eine Person aus unserem Kollektiv, was kapazitätentechnisch viel zu wenig ist. Wir suchen deswegen eine Person, die sich verantwortlich in die Entwicklung dieses Projekts der Lawine einbringen möchte, eigene Ideen dazu mitbringt und Lust hat, gemeinsam zu schauen, wo es hingehen könnte!

Arbeitspferde
Seit Beginn versuchen wir so viel wie möglich anfallende Arbeiten auf dem Acker und im Transport mit unseren beiden Arbeitspferden zu erledigen. Die beiden Kaltblüter sind 5 und 8 Jahre alt, leben im Offenstall und haben viel Weidegang. Sie arbeiten auf den Ackerflächen und werden mit der Kutsche gefahren, können schon viel, müssen aber auch noch einiges lernen. Auf den Grundlagen der schonenden Bodenbearbeitung müssen zudem immer wieder Ackergeräte und Kutschen repariert, verbessert oder auch Teile neu konzipiert und gebaut werden. Im Bereich der Arbeit auf dem Gemüseacker gibt es noch viel Entwicklungspotenzial und Platz, um neue Ideen und Geräte auszuprobieren oder selbst zu konzipieren.
Auch hier ist im Moment nur eine Person für die Pferdearbeit hauptverantwortlich. Deswegen suchen wir vor allem in Stoßzeiten, wie im Frühjahr und Sommer Hilfe bei der Versorgung und der Pferdearbeit selbst in Form einer saisonalen Untersützung.

Es besteht allerdings auch die Möglichkeit langfristig in die Pferdearbeit miteinzusteigen. Erfahrung mit Kaltblütern, Pferdearbeit am Boden, auf dem Acker und Kutschführerschein/e (A/B) sind  wünschenswert, aber keine Vorraussetzung. Wichtig sind Pferdeverstand, Gelassenheit und sorgsamer Umgang, ein Händchen für Tiere. Das nötige spezielle Fachwissen kann gemeinsam erlernt werden. Wir möchten auch hier einen Weg finden, gemeinsam Entscheidungen zu treffen.

Jetzt weißt du, wo es gerade Platz gibt bei uns. Im Idealfall findet sich eine Person, die sich in beide Bereichen einbringen möchte. Wir sind aber auch durchaus kreativ, andere Formen zu suchen, die für alle gut passen.  

Du erreichst uns über lawine@zusammen-in-neuendorf.de